Zen (chinesisch Chan) ist eine vom indischen Vedanta (Advaita) und chinesischen Daoismus beeinflusste "ziemlich schräge" buddhistische Strömung. 😀

Es ist total un-vernünftig und für den Suchenden ent-täuschend, sich damit zu befassen. Aber das ist gut so. Die Story dazu, kurz und knapp:

Es gibt nichts anderes als das "Jetzt (den Augenblick)", denn wie so vieles ist auch Zeit nur eine Illusion. Ein Konzept, um unsere Erlebniswelt zu strukturieren.

Bei genauer Betrachtung stellt sich jedoch heraus: Jedes Ereignis kann immer nur im nachhinein wahrgenommen werden. Unser "Ich" rennt der Realität dauernd hinterher.

Die Schlussfolgerung: Dieses "Ich" kann niemals wirklich selbst etwas entscheiden. Noch schlimmer: "Ich" habe auch noch nie wirklich etwas entschieden. Denn alles kann immer nur ausschließlich hier im "Jetzt", in der Gegenwart erlebt werden. Auch die Erfahrungen.

Was ist dann dieses "Ich" überhaupt?

Sobald ich eine Entscheidung wahrnehme, ist sie ja bereits gefallen. Oder? Beobachte es selbst! Könnte ich mir z.B. vornehmen, in zehn Minuten die rote statt der blauen Pille zu wählen? Das geht nicht! Sobald eine Idee als Gedanke erscheint, ist sie ja bereits da. 😎

Dieses "Ich" ist also im Grunde nur ein putziger eigenmächtiger Dauergedanke. Eine innere Stimme, die Dich jeden Tag aufs neue in Beschlag nimmt.

Der plappernde Ratgeber zwischen Wahrnehmung und Realität. Eingrenzend und manipulierend wie eine Internet Filterblase.

Doch im Zustand der Stille, der reinen Wahrnehmung ohne störende Gedankenflut, kann die Gegenwart ungefiltert wahrgenommen werden. Es ist die berühmte Pause zwischen den Gedanken. "Ich" bin "Jetzt".

Und wer weiß.. vielleicht trifft Dich irgendwann so ganz nebenbei eine überwältigende und befreiende Erkenntnis. Ergreift Dich und reißt Dich mit wie das lang anhaltende Wummern eines riesengroßen Gong:

"Hey, es gibt gar nichts zu erreichen. Nichts tun oder besitzen zu müssen!
Meine Rolle in diesem gigantischen interaktiven 3D Film ist bereits fertig geschrieben. "Ich" erlebe sie nur in Echtzeit. Bin Schauspieler und Beobachter zugleich. Gerade jetzt und nur in diesem Augenblick."

Dann ist Deine Suche zu Ende. Du bist angekommen im Hier und Jetzt. Pures Leben ohne Druck. Einfach cool.

Wusstest Du, dass "ein Augenblick" wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge gerade mal 30 Millisekunden (3-Sat Doku " 30 Millisekunden - Das ist unsere Gegenwart") dauert?

Und das Entscheidungen bereits bis zu zwei Sekunden vor der bewussten Wahrnehmung im Hirn schon "verschaltet" sind (Ap Dijksterhuis: "Das kluge Unbewusste")?

World Peace Gong mediumWorld Peace Gong - Vientiane, Laos

Wenn Dich die Erkenntis des absoluten JETZT das erste Mal mit voller Breitseite trifft, bewegst Du Dich vielleicht ein paar Tage danach etwas "neben der Spur" durch diese neue alte Welt. Aber DAS, liebe Leserin oder Leser, DAS ist es allemal Wert!!!

„Wenn unser Geist die Ruhe findet, verschwindet er von selbst.“
(Sengcan (Sōsan): Xinxinming)

Das spannende daran: Du könntest nun argumentieren dass Du Dich dann auch gleich total gehen lassen kannst, eine Bank ausrauben oder sonstwas, wofür man "Dich" verantwortlich machen könnte. Nur... das machst Du nicht.

"Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen"

(Jack Kornfield)

Das Paradoxon:

Wenn Du absichtlich danach suchst, wirst Du diese Erkenntis nicht finden. Dann suchst "Du" ja dann schon wieder nach "Etwas". Nach einem Ziel, das etwas bezwecken soll.

Und Zack, schon springt der Geist wieder im Kopf herum wie ein wilder Affe und produziert Vorstellungen und stellt sie wie Nebelkerzen vor Dich.

Daher:

"Wenn Du Tee trinkst, trinke nur Tee".
(Shunryu Suzuki)

Die dem Zen zugrundeliegende große Erkenntnis braucht (und kann) also gar nicht gesucht zu werden.

Sie ist ja schon da. Nur der Blick darauf ist durch Vorstellungen und Erwartungen vernebelt. Aber vielleicht findest Du ja irgendwann gelegentlich aus diesem Nebel heraus. 😏

k ZEN KreisEnsō (円相, japanisch: Kreis)

Natürlich sorgen die vielen "Ich'se" auf der ganzen Welt auch im Zen zunehmend für Verwirrung durch Konzepte, Rituale und Egoismen. Und leider verfällt daher auch das Zen und wird, wie auf Wikipedia gut beschrieben, immer mehr "verzweckt":

therapeutisch: Zen als Allheilmittel gegen Neurosen und Depressionen. Zen als „eine Art geistiges Valium"

leistungssteigernd: Zen hat konzentrative Energie, die Höchstleistung ermöglicht

attraktivitätssteigernd: christliche Kirchen als alte Institutionen erregen neue Aufmerksamkeit durch das Angebot östlicher Meditationswege

Zen, obwohl es nun einmal einfach so ist wie ist, wird auch gern mit weiteren Zielen angereichert und so zum Dies-und-Das-Zen, zum Bindestrich-Zen:

Business-Zen

Therapie-Zen

Wellness-Zen

Street-Zen

Ökologie-Zen

Zen-Kochkurse

last but not least: Trendfarbe Zen

 P.S.: Viele Zitate aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Zen

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